Hunde: helfen, aber wem?

18.11.2017 16:43:00 | Eva Waiblinger
Soll ich meinem Artgenossen helfen oder nicht? Vor diese Frage stellten Nastassja Gfrerer und Michael Taborsky von der Uni Bern 41 Malinois-Rüden der Schweizer Armee. Die Hunde lernten, an einem Strick zu ziehen, so dass eine Futterbelohnung in ihre Reichweite kam. Zuerst konnte sich der Ziehende selber daran bedienen, später aber nur noch der Hund im Nachbarzwinger, während der Ziehende leer ausging. Nun konnten die Hunde entweder einem ihnen bekannten Hund helfen, der ihnen selber zuvor geholfen hatte, ans Futter zu gelangen, oder es ihnen verweigert hatte - oder sie konnten das Futter für einen bis anhin unbekannten Hund heranziehen. Es stellte sich heraus, dass die Hunde sich nicht merkten, WER ihnen zuvor geholfen hatte, sondern nur, DASS ihnen geholfen worden war.  Hunde, die vom Partner kein Futter herangezogen bekamen, weigerten sich daraufhin, diesem Partner, aber auch allen anderen Hunden, zu helfen. Die Hunde orientierten sich also nicht am Prinzip  "Wie du mir, so ich dir", sondern am viel simpleren Prinzip "Wird dir geholfen (egal, von wem), so hilf auch (egal, wem)." Sie knüpfen ihre Bereitschaft, Artgenossen zu helfen, also nicht an empfangene Hilfeleistungen innerhalb einer individuellen Beziehung, obwohl Hunde sowohl ihre Artgenossen individuell erkennen als auch individuelle Beziehungen eingehen. Die Autoren der Studie erklären, dass das simplere Prinzip wohl wesentlich weniger Hirn-Speicherkapazität brauche, denn dabei müsse sich der Hund nicht merken, wer ihm schon mal wie und wie häufig geholfen habe, sondern er entscheide einfach, in einer hilfsbereiten Umgebung ebenfalls zu helfen. Dieses Prinzip, "generalisierte Reziprozität" genannt, wenden übrigens nicht nur Hunde, sondern auch Ratten, Kapuzineraffen und sogar wir Menschen an.
Nastassja Gfrerer-Rieder mit ihren Hunden (von ihrer Website an der Uni Bern)
Originalartikel in NATURE - Scientific Reports (kostenlos)