Lob der Langsamkeit

10.06.2018 21:32:00 | Eva Waiblinger
Schnecken gehören nicht unbedingt zur Stammkundschaft in der tierpsychologischen Praxis. Wohl aber können sie eingesetzt werden als tierische Therapeuten, wie der berührende Roman von Elizabeth Tova Bailey zeigt. Die Journalistin erlitt eine für Ärzte unerklärliche Schwächephase, konnte sich kaum mehr bewegen, geschweige denn ihr Bett verlassen. Eine Freundin schenkte ihr da einen Blumentopf mit Wiesenblumen, in dem Tova Bailey eine kleine Schnecke entdeckte. Unfähig, etwas anderes zu tun, beobachtete sie das Verhalten ihr neuen Haustiers genau, fütterte die Schnecke, machte sich Sorgen, wenn sie sie einmal nicht fand oder wenn das Futter unberührt blieb, wurde Zeugin, wie die Schnecke Eier legte und junge Schnecken schlüpften. Nach ihrer Genesung setzte Tova Bailey die Schnecke und ihre Schneckenkinder wieder im Garten aus. Aus ihren Erlebnissen ist ein wunderschönes Buch geworden, das zeigt, wie viele Nuancen man im Verhalten eines Tieres entdecken kann, wenn man sich nur die Zeit nimmt, es täglich zu beobachten!  Ein Lieblingsbuch von: Eva Waiblinger, Zoologin, Vorstand VIETA
Elizabeth Tova Bailey (2014) Das Geräusch einer Schnecke beim Essen, Piper
Englisches Original: Elizabeth Tova Bailey (2010) The Sound of a Wild Snail Eating, Algonquin Books